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John-Paul Wernecke

WLAN im Büro langsam oder instabil? So lässt sich die Ursache systematisch eingrenzen

Langsames oder instabiles Büro-WLAN hat viele Ursachen. So lassen sich Funkabdeckung, Access Points, Netzwerk und Endgeräte systematisch prüfen.

Holzaufsteller mit WLAN-Symbol neben einem Tablet und einem Glas auf einem Tisch

Langsames WLAN im Büro bedeutet nicht automatisch, dass der Internetanschluss zu schwach ist. Die Ursache kann ebenso in der Funkverbindung, im lokalen Netzwerk oder bei einem einzelnen Gerät liegen. Vergleichen Sie deshalb zuerst dieselbe Anwendung über WLAN und Netzwerkkabel sowie mit einem zweiten Gerät. Damit lässt sich eingrenzen, an welcher Stelle die weitere Fehlersuche sinnvoll ist.

Bevor Sie mehr Internetbandbreite buchen oder weitere Access Points installieren lassen, sollte die Ursache eingegrenzt sein. Access Points stellen die Funkverbindung zum Netzwerk her. Ob sie das Problem verursachen, lässt sich nicht allein an den WLAN-Balken auf dem Notebook erkennen.

Erst das Fehlerbild eingrenzen

Halten Sie fest, welche Geräte betroffen sind, in welchem Raum die Störung auftritt und zu welchen Uhrzeiten sie sich zeigt. Unterscheiden Sie außerdem zwischen einem Verbindungsabbruch und einer langsamen Anwendung. Bleibt das Gerät mit dem WLAN verbunden, während nur die Videokonferenz stockt, ist das ein anderes Fehlerbild als eine vollständig verlorene Funkverbindung.

Solche Beobachtungen und einfache Gerätevergleiche können Sie ohne Eingriff in die Netzwerkkonfiguration sammeln. Änderungen an Funkkanälen, Firewall-Regeln, Treibern oder Sicherheitssoftware gehören dagegen in die Hände der zuständigen IT. Schalten Sie Schutzfunktionen nicht auf Verdacht ab und starten Sie nicht ungeplant die Infrastruktur für das ganze Büro neu.

Die folgende Tabelle hilft bei der ersten Zuordnung. Ihre Hinweise ersetzen noch keine Diagnose; verglichen werden sollten möglichst dieselben Anwendungen und Ziele.

Beobachtung Möglicher Problembereich Sinnvoller nächster Test
Mehrere Geräte sind über WLAN und LAN gleichzeitig langsam Internetzugang, gemeinsames Netzwerk oder betroffener Dienst Interne und externe Ziele über Kabel vergleichen
LAN ist schnell, WLAN überall langsam Funknetz, Access Points oder deren Anbindung Die IT prüft Signal, Kanalauslastung und Anbindung des Access Points
Nur ein Raum ist betroffen Abdeckung, Störungen oder Platzierung des Access Points Dasselbe Gerät in einem anderen Raum und ein zweites Gerät am betroffenen Platz vergleichen
Nur einzelne Geräte sind betroffen Endgerät, Treiber oder Gerätekonfiguration Vergleich mit einem bekannten funktionierenden Gerät
Abbrüche treten vor allem beim Bewegen durchs Büro auf Funkabdeckung oder Wechsel zwischen Access Points Standortwechsel notieren; die IT prüft dazu die Verbindungsprotokolle

Schritt 1: Internetzugang und WLAN getrennt prüfen

Verbinden Sie ein Notebook nach den Vorgaben Ihrer IT per Ethernet mit dem Firmennetz. Stellen Sie sicher, dass der Test tatsächlich die Kabelverbindung nutzt. Vergleichen Sie dieselbe Anwendung möglichst zeitnah und bei gleichen VPN- und Zugriffseinstellungen. Ist sie auch über Kabel langsam, spricht das gegen ein ausschließliches WLAN-Problem. Funktionieren interne Dienste gut, während mehrere Internetdienste stocken, sollte die IT den Internetzugang und den Weg nach außen genauer prüfen.

Ein einzelner Speedtest reicht dafür nicht. Die IT kann zusätzlich Antwortzeiten und Paketverluste zu einem lokalen System, zum Gateway und zu externen Zielen vergleichen. Das Gateway ist meist der Router oder die Firewall. Ein fehlgeschlagener Ping beweist allerdings noch keine gestörte Verbindung: Solche Testpakete können auch gefiltert werden.

Für eine gezielte Durchsatzprüfung mit iPerf verbindet die IT einen Testclient im WLAN mit einem kabelgebundenen Gegenstück im lokalen Netz. Der Internetanschluss liegt dann nicht im Testpfad. Das Ergebnis umfasst aber weiterhin die beteiligten Geräte und Netzwerkverbindungen, nicht nur die Funkstrecke. Solche Lasttests sollten abgestimmt erfolgen, damit sie den laufenden Betrieb nicht zusätzlich beeinträchtigen.

Schritt 2: Mit einem zweiten Gerät vergleichen

Funktioniert ein zweites Notebook am gleichen Platz mit derselben Anwendung zuverlässig, sollte die IT zunächst das betroffene Gerät untersuchen. Das ist ein Hinweis, noch kein Beweis für einen Gerätedefekt: Beide Geräte können unterschiedliche Frequenzbänder oder Access Points nutzen.

Zur Prüfung gehören WLAN-Treiber, Energiesparfunktionen und die unterstützten Funkstandards. Auch VPN- oder Sicherheitssoftware kann am Fehlerbild beteiligt sein. Die IT sollte deren Einfluss kontrolliert untersuchen, statt die Schutzsoftware pauschal zu deaktivieren. Ein älterer WLAN-Chip kann zudem andere Leistungsgrenzen haben als ein neueres Gerät.

Treten Abbrüche vor allem beim Wechsel zwischen Räumen auf, ist das Roaming interessant: Ein Gerät wechselt dabei von einem Access Point zum nächsten. Die Auswahl trifft grundsätzlich das Endgerät; manche Geräte halten zu lange an einer schwachen Verbindung fest. Die Standards 802.11k und 802.11v können bei der Auswahl helfen, 802.11r kann den Anmeldewechsel beschleunigen. Welche Unterstützung tatsächlich greift, hängt von Gerät und WLAN-Konfiguration ab. Das erläutert beispielsweise Apples Dokumentation zum WLAN-Roaming.

Schritt 3: Signalstärke und Auslastung auseinanderhalten

Viele WLAN-Balken zeigen keinen freien Funkkanal an. Neben der Signalstärke zählt das Verhältnis zwischen Nutzsignal und Hintergrundrauschen, der Signal-Rausch-Abstand. Ist dieses Verhältnis ungünstig, können Übertragungen fehlschlagen und wiederholt werden.

Schwache Abdeckung fällt oft an bestimmten Plätzen oder hinter massiven Wänden auf. Gute Abdeckung kann dagegen trotzdem mit hoher Auslastung zusammenfallen. Geräte auf demselben Kanal teilen sich die verfügbare Funkzeit. Langsam übertragende Geräte benötigen für dieselbe Datenmenge mehr davon; Wiederholungen beanspruchen zusätzliche Funkzeit. Diesen Zusammenhang erläutert LANCOM bei der Aufteilung von WLAN-Übertragungszeit. Deshalb ist nicht nur die Zahl der verbundenen Geräte relevant, sondern deren tatsächlicher Verkehr. Wiederkehrende Probleme während Videokonferenzen oder großer Synchronisationen geben einen Anlass, die Kanalauslastung genauer zu prüfen.

Auch die angezeigte Verbindungsgeschwindigkeit ist kein gemessener Nutzdatendurchsatz. Diese technische Linkrate beschreibt die Funkübertragung; Protokollaufwand und geteilte Funkzeit verringern die für Anwendungen verfügbare Leistung. Den Unterschied zwischen Brutto- und Nutzdatenrate erklärt die FRITZ!-Dokumentation. Kanalbreite, unterstützte Datenströme und Funkbedingungen spielen ebenfalls mit hinein. Einen festen Umrechnungsfaktor von Linkrate zu nutzbarem Durchsatz gibt es deshalb nicht.

Schritt 4: Frequenzband und Kanalwahl prüfen lassen

Im 2,4-GHz-Band stehen nur wenige Kanalbereiche zur Verfügung, die sich ohne Überlappung nebeneinander nutzen lassen. In einem Bürogebäude konkurrieren daher schnell mehrere Netze um Funkzeit. Sehr breite oder ungünstig überlappende Kanäle können die Situation verschärfen. Die IT sollte die tatsächliche Umgebung betrachten, bevor sie Kanalbreiten oder Sendeleistung verändert.

Bei 5 GHz gibt es meist mehr Kanalauswahl, die Versorgung durch Wände kann aber ungünstiger sein. Auf bestimmten Kanälen ist außerdem Radarerkennung vorgeschrieben. Erkennt ein Access Point dort Radar, muss er den Kanal verlassen. Diese dynamische Frequenzwahl wird als DFS bezeichnet. Vor der Nutzung eines anderen DFS-Kanals kann eine weitere Prüfung nötig sein, die den Betrieb unterbricht. Bei unerklärlichen Abbrüchen lohnt deshalb der zeitliche Abgleich mit DFS-Ereignissen im Geräteprotokoll.

Wi-Fi 6E und entsprechend ausgestattete Wi-Fi-7-Geräte können zusätzlich 6 GHz nutzen. Das schafft weitere Kanaloptionen, setzt aber passende Access Points, Endgeräte und Software voraus. Intel beschreibt die Voraussetzungen für die Nutzung von 6 GHz für seine WLAN-Produkte. Prüfen Sie nicht nur die Produktbezeichnung, sondern das tatsächlich verwendete Frequenzband. Das zusätzliche Band ersetzt keine ausreichende Funkabdeckung am Arbeitsplatz.

Automatische Kanalwahl kann die Abstimmung erleichtern. Entscheidend ist, ob sie in der konkreten Umgebung sinnvoll arbeitet. Häufige, unkoordinierte Änderungen sollten ebenso geprüft werden wie eine starre Konfiguration, die längst nicht mehr zur Nachbarschaft passt. Es gibt keine einzelne Kanal- oder Leistungseinstellung, die jedes Büro zuverlässig verbessert.

Schritt 5: Standort und Anbindung der Access Points kontrollieren

Ein Access Point im Metallschrank oder hinter abschirmenden Gegenständen hat schlechte Voraussetzungen. Standort und Montage sollten zur vorgesehenen Abstrahlung des Geräts passen. Eine freie, passend gewählte Wand- oder Deckenposition kann daher sinnvoller sein als ein leistungsstärkeres Gerät am bisherigen ungünstigen Platz.

Die IT sollte außerdem die Verbindung zum Switch prüfen. Dieser Uplink kann den Datenverkehr begrenzen, wenn die Verkabelung fehlerhaft ist oder eine unerwartet niedrige Geschwindigkeit ausgehandelt wurde. Zum Befund gehören deshalb die Portgeschwindigkeit, Fehlerzähler und gegebenenfalls wiederholte Verbindungsabbrüche am Switch.

Zur Anbindung gehört auch die Stromversorgung über das Netzwerkkabel, Power over Ethernet oder kurz PoE. Reicht die bereitgestellte Leistung nicht aus, können je nach Modell Funkmodule oder andere Funktionen eingeschränkt bleiben; manche Geräte starten gar nicht. Deshalb sollte die IT den Bedarf des Access Points mit der Portleistung und dem gesamten PoE-Budget des Switches abgleichen. Die Unterschiede zeigt beispielsweise Ciscos Referenz zu den Stromanforderungen von Access Points.

Bei Mesh-Systemen kann auch die Verbindung zwischen Access Points drahtlos sein. Dieser sogenannte Backhaul teilt sich je nach Aufbau Funkzeit mit den Endgeräten. Mehr Funkstationen bedeuten dann nicht automatisch mehr nutzbare Kapazität. Eine kabelgebundene Anbindung vermeidet diesen zusätzlichen Funkweg.

Schritt 6: Adressvergabe, DNS und Zugriffsregeln untersuchen

Ein Gerät kann mit dem WLAN verbunden sein und trotzdem keinen brauchbaren Netzwerkzugriff haben. Möglicherweise erhält es keine passende IP-Adresse, wartet auf eine Namensauflösung oder darf den gewünschten Dienst nicht erreichen. Dann liegt das Problem nicht unbedingt bei der Funkqualität.

Die IT prüft zunächst IP-Adresse, Gateway und die vorgesehenen DNS-Server. DHCP ist für die automatische Adressvergabe zuständig; DNS übersetzt Namen in Adressen. Die Namensauflösung lässt sich beispielsweise mit nslookup getrennt untersuchen, wie in der Microsoft-Anleitung zur DNS-Fehlersuche beschrieben. Nur eine IP-Adresse im Browser aufzurufen, ist dagegen kein verlässlicher allgemeiner DNS-Test.

Ist nur ein bestimmter WLAN-Name, die SSID, oder das Gäste-WLAN betroffen, prüft die IT zusätzlich Authentifizierung, VLAN-Zuordnung, Routing und Firewall-Regeln. VLANs trennen logische Netzbereiche; deren vorgesehene Zugriffsgrenzen sollten bei der Fehlersuche erhalten bleiben. Zeitlich passende Protokolle von Endgeräten, Access Points und Switches helfen, Anmeldefehler, Neustarts oder Portprobleme mit der gemeldeten Störung zu verbinden.

Welche Angaben der IT bei der weiteren Prüfung helfen

Für eine brauchbare Störungsmeldung müssen Sie keine Funkmessung durchführen. Übergeben Sie die Beobachtungen, die sich ohne administrative Änderungen sammeln lassen:

  1. Zeitpunkt, Raum und betroffene Geräte sowie die Frage, ob das Problem dort wiederholt auftritt.
  2. Betroffene Anwendung und genaues Fehlerbild: langsamer Zugriff, stockende Übertragung oder vollständig verlorene WLAN-Verbindung.
  3. Ergebnisse des Kabelvergleichs und des Tests mit einem zweiten Gerät, einschließlich verwendeter Anwendung und VPN-Verbindung.
  4. Bekannte Änderungen vor der Störung, etwa ein umgestellter Arbeitsplatz oder ein Geräteupdate. Zugangsdaten gehören nicht in die Störungsmeldung.

Erst aus dem Befund eine Maßnahme ableiten

Fehlt tatsächlich Abdeckung, kann ein anderer Standort oder ein zusätzlicher Access Point helfen. Bei überlasteten Kanälen oder einer zu dichten, schlecht abgestimmten Installation kann zusätzliche Hardware dagegen die Konkurrenz um Funkzeit verstärken. Die Entscheidung sollte deshalb berücksichtigen, welche Bereiche versorgt werden müssen, wie viele Geräte dort arbeiten und welche Anwendungen zuverlässig funktionieren sollen.

Die zuständige IT sollte jeweils eine begründete Änderung vornehmen, dokumentieren und anschließend unter vergleichbaren Bedingungen prüfen. Maßstab ist, ob die betroffene Arbeit wieder zuverlässig funktioniert, nicht nur ein höherer Wert im Speedtest. So lässt sich auch erkennen, ob eine Maßnahme geholfen hat oder weitere Ursachen offenbleiben.

Ergibt die Prüfung, dass die Infrastruktur oder ihre Konfiguration angepasst werden muss, kommt unsere Netzwerk- und WLAN-Betreuung infrage. Wir besprechen, ob Änderungen am Bestand, eine andere Platzierung oder eine Modernisierung sinnvoll sind, und stimmen den Umfang der Umsetzung ab. Vor Ort unterstützen wir Unternehmen in Berlin und Brandenburg, nach Absprache auch remote. WLAN-Ausleuchtungen oder Messdienstleistungen bieten wir aktuell nicht an.

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